Grundlagen

Bilanz verstehen: Aktiven, Passiven und Eigenkapital

Die Bilanz ist eine Momentaufnahme: Sie zeigt zu einem bestimmten Stichtag, welche Vermögenswerte ein Unternehmen besitzt und wie diese finanziert sind. Wer ihre Logik versteht, kann viele weitere Themen des Rechnungswesens leichter einordnen.

Grundlagen42 Minuten6 ÜbungenFachlich geprüft: 17. Juli 2026
Lernziele

Nach dieser Lektion kannst du …

  • Aktiven, Fremdkapital und Eigenkapital unterscheiden
  • Positionen dem Umlauf- oder Anlagevermögen zuordnen
  • die Bilanzgleichung anwenden
  • Auswirkungen einfacher Geschäftsfälle auf die Bilanz erklären
  • eine einfache Bilanz in Schweizer Franken lesen

Voraussetzung: Was ist Rechnungswesen?

Inhaltsverzeichnis
  1. 01Die Bilanz als Momentaufnahme
  2. 02Aktivseite: das Vermögen
  3. 03Passivseite: die Finanzierung
  4. 04Beispielbilanz der Bergwind Velos GmbH
  5. 05Wie Geschäftsfälle die Bilanz verändern
  6. 06Gewinn, Verlust und Eigenkapital
  7. 07Eine einfache Prüfroutine

Die Bilanz als Momentaufnahme

Anders als die Erfolgsrechnung beschreibt die Bilanz keinen Zeitraum. Sie beantwortet am Bilanzstichtag zwei Fragen: Welche wirtschaftlichen Werte sind vorhanden? Und aus welchen Quellen stammt das dafür eingesetzte Kapital?

Grundgleichung der Bilanz
Aktiven = Fremdkapital + Eigenkapital

Die Summe der Vermögenswerte entspricht immer der Summe ihrer Finanzierung.

Aktivseite: das Vermögen

Auf der Aktivseite stehen Vermögenswerte, über die das Unternehmen verfügt oder aus denen es voraussichtlich einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen kann. Üblicherweise werden sie nach ihrer Liquidität gegliedert – von schnell verfügbaren Mitteln bis zu langfristig gebundenen Anlagen.

Typische Gliederung der Aktiven
GruppeBeispieleCharakter
UmlaufvermögenKasse, Bank, Forderungen, Vorrätekurzfristig verfügbar oder im Umsatzprozess
AnlagevermögenMaschinen, Fahrzeuge, Mobiliarlängerfristig betrieblich genutzt

Passivseite: die Finanzierung

Die Passivseite erklärt, wem die in den Aktiven gebundenen Mittel wirtschaftlich zuzurechnen sind. Ein Teil stammt von externen Kapitalgebenden, der andere von den Eigentümerinnen und Eigentümern.

Eigenkapital berechnen
Eigenkapital = Aktiven − Fremdkapital

Das Eigenkapital ist rechnerisch die Differenz zwischen dem gesamten Vermögen und den Verpflichtungen.

Beispielbilanz der Bergwind Velos GmbH

Die fiktive Bergwind Velos GmbH führt per 31. Dezember folgende vereinfachte Bilanz. Die Zahlen sind bewusst kompakt, damit die Struktur sichtbar bleibt.

Vereinfachte Bilanz per 31.12.2025, in CHF
AktivenCHFPassivenCHF
Kasse5’000Verbindlichkeiten Lieferanten18’000
Bank24’000Bankdarlehen32’000
Forderungen16’000Eigenkapital75’000
Warenvorräte30’000
Werkstatteinrichtung50’000
Total Aktiven125’000Total Passiven125’000
Schritt für Schritt

So liest du die Bilanz

  1. 1

    Umlaufvermögen: Kasse, Bank, Forderungen und Vorräte ergeben CHF 75’000.

  2. 2

    Anlagevermögen: Die Werkstatteinrichtung beträgt CHF 50’000.

  3. 3

    Fremdkapital: Lieferantenverbindlichkeiten und Darlehen ergeben CHF 50’000.

  4. 4

    Eigenkapital: CHF 125’000 Aktiven minus CHF 50’000 Fremdkapital ergeben CHF 75’000.

  5. 5

    Beide Bilanzseiten schliessen mit CHF 125’000 ab.

Wie Geschäftsfälle die Bilanz verändern

Jeder bilanzwirksame Geschäftsfall verändert mindestens zwei Positionen. Die Gleichung bleibt dabei erhalten. Vier grundlegende Veränderungsarten helfen bei der Analyse.

VeränderungWirkungBeispiel
AktivtauschEine Aktivposition steigt, eine andere sinktMaschine wird per Bank bezahlt
PassivtauschEine Passivposition steigt, eine andere sinktLieferantenschuld wird in Darlehen umgewandelt
BilanzverlängerungAktiven und Passiven steigen gleich starkKauf auf Rechnung
BilanzverkürzungAktiven und Passiven sinken gleich starkLieferantenrechnung per Bank bezahlen

Gewinn, Verlust und Eigenkapital

Vereinfacht betrachtet erhöht ein Gewinn das Eigenkapital, während ein Verlust es vermindert. Die Erfolgsrechnung erklärt, wodurch dieser Gewinn oder Verlust während der Periode entstanden ist; die Bilanz zeigt die kumulierte Wirkung am Stichtag.

Erfolg einer Periode
Gewinn = Ertrag − Aufwand

Ist der Aufwand grösser als der Ertrag, entsteht ein Verlust.

Eine einfache Prüfroutine

Schritt für Schritt

Bilanzpositionen sicher einordnen

  1. 1

    Beschreibt die Position einen Vermögenswert oder eine Finanzierungsquelle?

  2. 2

    Bei Vermögen: Ist der Wert kurzfristig im Umsatzprozess oder langfristig im Betrieb gebunden?

  3. 3

    Bei Finanzierung: Besteht eine Verpflichtung gegenüber Dritten oder handelt es sich um Eigenkapital?

  4. 4

    Verändert der Geschäftsfall mindestens zwei Positionen?

  5. 5

    Bleibt Aktiven = Fremdkapital + Eigenkapital erfüllt?

Das Wichtigste

Zusammenfassung

  • Aktiven zeigen das Vermögen; Passiven zeigen dessen Finanzierung durch Fremd- und Eigenkapital.
  • Umlaufvermögen ist kurzfristig verfügbar oder im Umsatzprozess, Anlagevermögen dient dem Betrieb längerfristig.
  • Die Bilanzgleichung lautet: Aktiven = Fremdkapital + Eigenkapital.
  • Geschäftsfälle verändern mindestens zwei Positionen, ohne die Bilanzgleichung zu verletzen.
  • Gewinn erhöht grundsätzlich das Eigenkapital, ist aber nicht mit dem Bankbestand gleichzusetzen.
Wissen anwenden

Übungen

Antworte zuerst selbst. Hinweise und vollständige Lösungen öffnest du bewusst.

Aufgabe 1Grundlagen
1 Punkt

Bilanzposition zuordnen

Wo wird eine Maschine eingeordnet, die während mehrerer Jahre in der Produktion eingesetzt wird?

Eine Antwort auswählen
Aufgabe 2Grundlagen
2 Punkte

Eigenkapital berechnen

Ein Unternehmen hat Aktiven von CHF 280’000 und Fremdkapital von CHF 115’000. Wie hoch ist das Eigenkapital?

CHF
Aufgabe 3Grundlagen
1 Punkt

Passiven beurteilen

Richtig oder falsch: Die Passivseite einer Bilanz besteht ausschliesslich aus Schulden gegenüber Dritten.

Richtig oder falsch auswählen
Aufgabe 4Grundlagen
3 Punkte

Positionen sicher klassifizieren

Ordne jede Position der passenden Bilanzgruppe zu.

Aufgabe 5Mittel
3 Punkte

Analyse in die richtige Reihenfolge bringen

Bringe die Schritte zur Analyse eines Geschäftsvorfalls in die richtige Reihenfolge.

  1. 1Betroffene Bilanzpositionen bestimmen
  2. 2Zu- oder Abnahme je Position feststellen
  3. 3Art der Bilanzveränderung benennen
  4. 4Bilanzgleichung kontrollieren
Aufgabe 6Mittel
4 Punkte

Praxisfall: Kauf auf Rechnung

Die Bergwind Velos GmbH kauft Ersatzteile für CHF 6’500 auf Rechnung. Beschreibe die betroffenen Positionen, die Richtung der Veränderung und die Art der Bilanzveränderung.

Diese Antwort wird nicht automatisch bewertet. Nutze die Musterlösung zur Selbstkontrolle.

Hinweise und Quellen

Grundlagenlektion; keine zeitabhängigen Bewertungs- oder Rechtsvorschriften

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Inhaltsverzeichnis
  1. 01Die Bilanz als Momentaufnahme
  2. 02Aktivseite: das Vermögen
  3. 03Passivseite: die Finanzierung
  4. 04Beispielbilanz der Bergwind Velos GmbH
  5. 05Wie Geschäftsfälle die Bilanz verändern
  6. 06Gewinn, Verlust und Eigenkapital
  7. 07Eine einfache Prüfroutine