Grundlagen des Rechnungswesens

Eigenkapital einfach erklärt

Was gehört der Firma wirklich – und warum beweist ein volles Bankkonto noch erstaunlich wenig?

Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug sämtlicher Schulden übrig bleibt. Es zeigt, welchen Wert die Eigentümer rechnerisch im Unternehmen besitzen.

Die Aktivseite kann sehr überzeugend auftreten. Das Eigenkapital prüft, wie viel von diesem Auftritt tatsächlich bezahlt ist.
Einfach erklärtMit Lernspiel30 Fragen
VermögenCHF 150’000
SchuldenCHF 90’000
=
EigenkapitalCHF 60’000
Was nach allen Ansprüchen übrig bleibt.
Auf dieser Seite
GrundlagenLektion 3
Dauer30 Minuten
SchwierigkeitGrundlage
VoraussetzungenVermögen erkennen · Schulden als Verpflichtungen verstehen
StatusNoch nicht begonnen
Lernziele

Nach dieser Lektion kannst du …

  • Eigenkapital als Vermögen minus Schulden berechnen
  • Eigentümeranteil und Bankguthaben unterscheiden
  • Einlagen und Entnahmen richtig beurteilen
  • Gewinn und Verlust als Veränderungen erklären
Vorwissen aktivieren · ohne Bewertung

Eine Firma besitzt CHF 100’000 Vermögen und hat CHF 70’000 Schulden. Gehören ihr wirtschaftlich CHF 100’000?

Vollständig gelöst

Der tatsächliche Eigentümeranteil

Ein Betrieb besitzt CHF 150’000 Vermögen und schuldet Dritten CHF 90’000.

  1. 1Zuerst wird das gesamte Vermögen festgestellt: CHF 150’000.
  2. 2Davon werden sämtliche Schulden von CHF 90’000 abgezogen.
  3. 3CHF 150’000 minus CHF 90’000 ergibt CHF 60’000.
  4. 4Ergebnis: Das Eigenkapital beträgt CHF 60’000.
Geführte Übung

Vermögen CHF 80’000, Schulden CHF 35’000. Wie hoch ist das Eigenkapital?

Abschnitt 01

Was ist Eigenkapital?

Die Zahl, die übrig bleibt, nachdem das Vermögen seine Schulden kennengelernt hat.

Kurzdefinition ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug sämtlicher Schulden übrig bleibt.
VermögenSchulden=Eigenkapital
CHF 120’000CHF 70’000=CHF 50’000

Die CHF 50’000 zeigen, welchen Wert die Eigentümer rechnerisch im Unternehmen besitzen. Es handelt sich nicht zwingend um frei verfügbares Geld: Der Wert kann in Bankguthaben, Forderungen, Waren oder Maschinen stecken.

Das Eigenkapital ist ein Restwert. In der Buchhaltung kann ein Restwert bemerkenswert viel über den ganzen Betrieb sagen.
Interaktiver Rechner

Eigenkapital berechnen

Trage Vermögen und Schulden ein. Die Formel übernimmt den Rest, ohne das Bankkonto zu befragen.

=EigenkapitalCHF 60’000

Positives Eigenkapital: Nach Abzug der Schulden bleibt ein Eigentümeranteil.

Abschnitt 02

Wo steht es in der Bilanz?

Rechts – gemeinsam mit dem Fremdkapital, aber nicht gemeinsam mit dessen Rückzahlungspflicht.

Nordstern Atelier GmbH · vereinfachte Bilanz in CHF
Aktiven · Mittelverwendung
Bank
35’000
Forderungen
20’000
Waren
25’000
Maschinen
80’000
Total
160’000
Passiven · Finanzierung
Lieferanten
25’000
Bankdarlehen
70’000
Eigenkapital
65’000
Total
160’000
Fremdfinanzierung CHF 95’000Eigenfinanzierung CHF 65’000Total CHF 160’000

Die Passivseite beantwortet, woher die Mittel stammen. Ein Teil stammt von Gläubigern, der Rest rechnerisch von den Eigentümern. Die rechte Bilanzseite ist deshalb keine reine Schuldenliste – sie ist eine Finanzierungserklärung.

Verständnischeck

Steht alles auf der Passivseite für eine Schuld gegenüber Dritten?

Abschnitt 03

Was verändert das Eigenkapital?

Nicht jede Zahlung ist ein Kapitalereignis. Das Bankkonto liebt Bewegung; das Eigenkapital ist wählerischer.

Eigenkapital verändert sich
  • Eigentümer leisten Einlagen
  • das Unternehmen erzielt Gewinn
  • das Unternehmen erleidet Verlust
  • Wert wird rechtmässig ausgeschüttet oder entnommen
Eigenkapital bleibt gleich
  • Kreditaufnahme
  • reine Kredittilgung
  • Maschinenkauf gegen Bank
  • Einzug einer bestehenden Forderung
  • Zahlung einer bestehenden Lieferantenschuld
Wenn Geld fliesst, muss das Eigenkapital nicht mitreisen. Manchmal wechselt nur die Vermögensform ihre Adresse.
Wirkung erkennenFall 1 von 8
0 Punkte
Kapitaleinlage

Eigentümer zahlen CHF 20’000 ein.

Abschnitt 04

Einlage, Gewinn, Verlust und Ausschüttung

Vier Bewegungen, die den Eigentümeranteil tatsächlich verändern.

01 · Einlage

Bank + 30’000

Eigenkapital + 30’000

Eigentümer bringen neue Mittel ein. Vermögen und Eigenkapital steigen.

02 · Gewinn

Erfolg + 12’000

Eigenkapital + 12’000

Der erwirtschaftete Überschuss erhöht den Eigentümeranteil.

03 · Verlust

Erfolg − 8’000

Eigenkapital − 8’000

Der negative Erfolg zehrt am bisherigen Eigentümeranteil.

04 · Auszahlung

Bank − 5’000

Eigenkapital − 5’000

Eine rechtmässige Ausschüttung oder Entnahme gibt Wert an Eigentümer zurück.

Bei einem Einzelunternehmen werden private Einlagen und Entnahmen typischerweise über Privat- beziehungsweise Eigenkapitalkonten abgebildet. Bei GmbH und AG dürfen Gesellschafter nicht einfach jederzeit «privat entnehmen»; Ausschüttungen brauchen die passende gesetzliche und gesellschaftsrechtliche Grundlage.

Eigentümer sein bedeutet nicht, dass das Geschäftskonto zum Portemonnaie mit Firmenlogo wird.
Abschnitt 05

Bankguthaben ist nicht Eigenkapital

Liquidität zeigt, was gerade bezahlt werden kann. Eigenkapital zeigt, was nach allen Schulden rechnerisch gehört.

Unternehmen A
Bankguthaben
100’000
Übriges Vermögen
0
Total Vermögen
100’000
Schulden
90’000
Eigenkapital
10’000
Unternehmen B
Bankguthaben
30’000
Übriges Vermögen
80’000
Total Vermögen
110’000
Schulden
10’000
Eigenkapital
100’000
Unternehmen C
Bankguthaben
150’000
Übriges Vermögen
0
Total Vermögen
150’000
Schulden
170’000
Eigenkapital
−20’000
Welches Unternehmen besitzt das höchste Eigenkapital?
Maschine kaufen

Bank 50 → 30 · Maschine 0 → 20

Gesamtvermögen und Eigenkapital von CHF 50 bleiben gleich. Geld ist zu einer Maschine geworden – ein recht teurer Kostümwechsel.

Kredit aufnehmen

Bank + 40 · Schulden + 40

Das Eigenkapital bleibt gleich. Die Bankanzeige ist optimistischer, die Passivseite informiert über die Finanzierung.

Kredit tilgen

Bank − 10 · Schulden − 10

Die reine Tilgung lässt das Eigenkapital unverändert. Ein separat anfallender Zins ist Aufwand und kann es mindern.

Abschnitt 06

Positiv, null oder negativ

Drei Zustände – und keiner davon sollte ohne den gesamten Unternehmenskontext beurteilt werden.

PositivCHF 60’000

Das Vermögen übersteigt die Schulden. Rechnerisch bleibt ein Eigentümeranteil.

NullCHF 0

Vermögen und Schulden sind gleich hoch. Es bleibt kein rechnerischer Rest.

NegativCHF −30’000

Die Schulden übersteigen das Vermögen. Das ist ein ernstes Warnsignal.

Negatives Eigenkapital ist wirtschaftlich bedeutsam, ersetzt aber keine rechtliche Analyse. Je nach Rechtsform, konkreter Bilanz, Rangrücktritten und weiteren Umständen gelten unterschiedliche Pflichten.

Fachlich genauer: Bezeichnungen nach Rechtsform

Einzelunternehmen: Eigenkapital, Privateinlagen, Privatentnahmen, Gewinn und Verlust werden eng über die Eigentümersphäre geführt.

GmbH: Typische Bestandteile sind Stammkapital, Reserven, Gewinn- oder Verlustvortrag und Jahresergebnis.

AG: Typische Bestandteile sind Aktienkapital, Kapital- und Gewinnreserven, Vortrag und Jahresergebnis.

Die Lektion vereinfacht bewusst und ist keine Rechtsberatung. Grundlagen wurden mit dem Schweizer Obligationenrecht sowie den offiziellen KMU-Informationen zu GmbH, AG und Einzelunternehmen abgeglichen.

Negatives Eigenkapital ist kein kosmetisches Problem. Die Bilanz hat bereits alle Filter ausgeschaltet.
Abschnitt 07

KAPITALKRONE – das Lernspiel

Ziehe Schulden vom Vermögen ab und mache das Eigenkapital sichtbar.

KAPITALKRONE

Ziehe Schulden vom Vermögen ab und mache das Eigenkapital sichtbar.

Abschnitt 08

Eigenkapital in einer Minute

Sechs Karten, drei Denkfehler und eine Formel, die länger hält als jeder Kontostand.

Definition

Eigenkapital ist Vermögen minus Schulden.

Bilanz

Es steht als Eigenfinanzierung auf der Passivseite.

Einlagen

Einlagen der Eigentümer erhöhen das Eigenkapital.

Erfolg

Gewinn erhöht, Verlust vermindert das Eigenkapital.

Auszahlungen

Rechtmässige Ausschüttungen oder Entnahmen senken es.

Kontostand

Bankguthaben misst Liquidität, nicht den Eigentümeranteil.

Rechnerischer EigentümeranteilVermögen − Schulden = Eigenkapital

Drei häufige Denkfehler

  • Ein volles Bankkonto ist nicht automatisch hohes Eigenkapital.
  • Ein Kredit ist kein Gewinn und keine Einlage.
  • Eine reine Schuldentilgung ist nicht automatisch Aufwand.

Wer beim Kontostand inzwischen zuerst nach den Schulden fragt, denkt nicht pessimistisch. Er denkt vollständig.

Abschnitt 09

30 Fragen. Danach gehört die Formel dir.

Das Abschlussquiz bleibt unabhängig vom Lernspiel und prüft alle sechs Themenbereiche.

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Abschlussquiz

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