Schulden verstehen
Was schuldet eine Firma wirklich – und warum macht ein volles Bankkonto sie noch lange nicht reich?
Schulden sind Verpflichtungen gegenüber anderen. Das kann ein Bankkredit sein, aber auch eine Rechnung, die noch sehr geduldig auf ihre Bezahlung wartet.
Die Rechnung verschwindet übrigens nicht, wenn du die E-Mail nicht öffnest. Die Buchhaltung respektiert Verdrängung erstaunlich wenig.Auf dieser Seite
Nach dieser Lektion kannst du …
- echte Verpflichtungen sicher erkennen
- Schuldner und Gläubiger unterscheiden
- kurz- und langfristige Fälligkeiten einordnen
- Tilgung und Zins verständlich auseinanderhalten
Eine offene Handyrechnung ist noch nicht bezahlt. Ist sie deshalb verschwunden?
Die offene Lieferantenrechnung
Eine Firma erhält Büromaterial und eine Rechnung über CHF 1’200, zahlbar in 30 Tagen.
- 1Die Firma hat das Büromaterial bereits erhalten.
- 2Sie muss künftig CHF 1’200 bezahlen.
- 3Die Firma ist Schuldnerin; der Lieferant ist Gläubiger.
- 4Ergebnis: Es besteht eine kurzfristige Schuld.
Eine Firma nimmt ein Darlehen auf, das in fünf Jahren zurückbezahlt wird. Kurz- oder langfristig?
Was sind Schulden?
Eine Schuld beginnt nicht beim schlechten Gewissen, sondern bei einer bestehenden Verpflichtung.
Im Rechnungswesen spricht man meist von oder . Gemeint ist dieselbe Grundidee: Jemand anderes besitzt einen Anspruch gegen die Firma.
Offene Rechnung
Die Ware ist da, die Zahlung noch nicht.
Kredit
Das Geld ist da, die Rückzahlung ebenfalls.
Geschuldete Steuer
Der Betrag muss zum Fälligkeitstermin bezahlt werden.
Schulden sind selten unsichtbar. Sie tragen nur manchmal erstaunlich höfliche Zahlungsfristen.
Fachlich genauer
Nach OR Art. 959 wird eine Verbindlichkeit bilanziert, wenn sie durch ein vergangenes Ereignis bewirkt wurde, ein Mittelabfluss wahrscheinlich ist und ihre Höhe verlässlich geschätzt werden kann.
OR Art. 959 bei Fedlex öffnen. Diese Lektion vermittelt Grundlagen und ist keine Rechtsberatung.
Schuldner und Gläubiger
Zwei Rollen, ein Betrag: Wer zahlen muss, ist Schuldner. Wer Zahlung verlangen darf, ist Gläubiger.
Schuldner
Das Unternehmen schuldet Geld oder eine Leistung.
Gläubiger
Lieferant, Bank oder Behörde besitzt den Anspruch.
Warenkauf auf Rechnung · CHF 8’000
Nordstern erhält Waren und bezahlt sie später.
- 01
Ware wird geliefert.
- 02
Nordstern schuldet CHF 8’000.
- 03
Nordstern ist Schuldner, der Lieferant Gläubiger.
- 04
Mit der Zahlung erlischt die Verbindlichkeit.
Ein Kunde schuldet unserem Unternehmen CHF 5’000. Was besitzt unser Unternehmen?
Schulden in der Bilanz
Die Aktivseite zeigt das Vermögen. Die Passivseite zeigt, wie es finanziert wurde.
- Kasse
- 5’000
- Bank
- 25’000
- Waren
- 20’000
- Fahrzeug
- 50’000
- Total
- 100’000
- Lieferanten
- 15’000
- Darlehen
- 45’000
- Eigenkapital
- 40’000
- Total
- 100’000
Weitere Berechnungen
Fremdkapital berechnen
Vermögen minus Eigenkapital ergibt das Fremdkapital.
Kurz oder langfristig?
Nicht die Grösse der Zahl entscheidet, sondern der Zahlungstermin.
Kurzfristig
Die Verpflichtung wird innerhalb eines Jahres oder des normalen Geschäftszyklus fällig.
- Lieferantenrechnungen
- Mehrwertsteuerschulden
- nächste Darlehensrate
Langfristig
Die Verpflichtung wird voraussichtlich erst nach mehr als einem Jahr fällig.
- langfristige Darlehen
- Hypotheken
- langfristige Finanzschulden
CHF 20’000 in sechs Monaten sind kurzfristig. Dieselben CHF 20’000 in drei Jahren sind langfristig. Der Betrag war an der Entscheidung unbeteiligt.
Wie wird diese Verpflichtung eingeordnet?
Lieferantenrechnung
zahlbar in 30 TagenKredit und Rückzahlung
Ein Kredit bringt Geld ins Unternehmen – gemeinsam mit der Pflicht, es zurückzugeben.
Bank + CHF 50’000
Darlehensschuld + CHF 50’000Bilanzverlängerung. Das Eigenkapital bleibt zunächst unverändert.
Bank − CHF 10’000
Darlehensschuld − CHF 10’000Bilanzverkürzung. Die reine Tilgung ist kein Aufwand.
Ein voller werdendes Bankkonto sieht freundlich aus. Ohne Blick auf die Rückzahlungspflicht erzählt es aber nur die halbe Geschichte.
Warenkauf auf Rechnung
Waren im Wert von CHF 10’000 werden geliefert. Die Rechnung wird später bezahlt.
- Gesamtvermögen
- + CHF 10’000
- Fremdkapital
- + CHF 10’000
- Eigenkapital
- unverändert
FachbegriffBilanzverlängerung
Tilgung und Zins
Eine Rate kann zwei Bestandteile haben, die buchhalterisch völlig verschieden wirken.
Schuld und Bank sinken.
Aufwand entsteht.
Rückzahlung des Kreditbetrags
- Darlehensschuld sinkt
- Bankguthaben sinkt
- Eigenkapital bleibt zunächst gleich
Preis für fremdes Kapital
- Bankguthaben sinkt
- Zinsaufwand entsteht
- Erfolg und Eigenkapital sinken
Eine Rate enthält CHF 4’000 Tilgung und CHF 500 Zins. Welcher Betrag reduziert die Darlehensschuld?
FÄLLIG! – das Lernspiel
Ordne Verpflichtungen zeitlich ein und bezahle nur, was wirklich fällig ist.
FÄLLIG!
Ordne Verpflichtungen zeitlich ein und bezahle nur, was wirklich fällig ist.
Schulden in einer Minute
Sechs Karten reichen, um die gesamte Lektion wieder in Ordnung zu bringen.
Schulden
Verpflichtungen gegenüber anderen. Sie entstehen, weil das Unternehmen künftig zahlen oder leisten muss.
In der Bilanz
Schulden heissen Fremdkapital und stehen auf der Passivseite.
Kurz oder lang
Entscheidend ist vor allem die Fälligkeit: bis ein Jahr kurzfristig, danach langfristig.
Kredit
Bank und Darlehensschuld steigen. Mehr Geld ist dabei nicht automatisch mehr Reinvermögen.
Tilgung
Sie reduziert Bank und Darlehensschuld, ist für sich allein aber kein Aufwand.
Zins
Er ist der Preis für fremdes Kapital, wird Aufwand und mindert den Erfolg.
Drei Fehler, die teuer denken
- Ein Kredit ist kein Gewinn.
- Eine Kundenforderung ist für uns keine Schuld.
- Tilgung ist nicht Zinsaufwand.
Wenn du jetzt bei «volles Bankkonto» automatisch nach den Schulden fragst, hat die Lektion ihren Dienst getan. Misstrauen kann sehr bilanztauglich sein.
30 Fragen. Danach sitzt das Thema.
Das Quiz bleibt bewusst getrennt vom Lernspiel und prüft die gesamte Lektion. Falsche Antworten kannst du gezielt wiederholen.
Quiz wird vorbereitet …
Die drei Runden und dein lokaler Fortschritt werden geladen.