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Finanz- und Rechnungswesen
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Einfache Geschäftsfälle · Lektion 4

Verbindlichkeiten

Die Lieferung ist da. Die Zahlung steht noch aus.

Du erhältst Büromaterial oder eine Maschine und bezahlst später. Das Verbindlichkeitskonto zeigt die Lieferantenschuld. Verbrauch kann Aufwand sein, eine dauerhaft genutzte Maschine ist Vermögen. Alle Beispiele zeigen die Firmensicht in CHF ohne MWST zur Vereinfachung, nicht aufgrund einer Steuerbefreiung.

Eine Schublade ist kein Tarnzauber. Die Rechnung ist versteckt; die Schuld steht trotzdem in der Bilanz.

  • ca. 18 Minuten
  • 3 Beispiele
  • 3 Selbstchecks
Die Kontenlogik verstehen ↓Buchungssätze-Spiel →
Ein Fall auf einen BlickEine Lieferantenrechnung nach der Teilzahlung
Erfasste Büromaterialrechnung
CHF 600
Bereits überwiesen
− CHF 200
Noch offene Verbindlichkeit
CHF 400

Die Zahlung senkt die Schuld. Der Verwaltungsaufwand bleibt CHF 600.

Auf dieser Seite
  • Konto und Grundregel
  • Drei Buchungsbeispiele
  • Typische Denkfallen
  • Drei kurze Selbstchecks
  • Deine Merkkarte
  • Buchungssätze-Spiel
Verstehen

Was dieses Konto wirklich zeigt

Eine Verbindlichkeit ist eine Verpflichtung gegenüber einem anderen. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen entstehen hier aus erhaltenen Lieferungen oder Leistungen mit offener Rechnung. Dafür begegnet dir auch der Name Kreditoren. Die Firma muss bezahlen; die Schuld besteht schon vor der Überweisung.

Konto 2000 ist ein Passivkonto im kurzfristigen Fremdkapital. Verbindlichkeiten umfassen mehr: Auch Darlehen sind Schulden, können langfristig sein und gehören auf eigene Konten. Konto 2000 sammelt nicht jede Verpflichtung.

2000 · Passivkonto · kurzfristiges FremdkapitalVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
SOLL · linksAbnahme der Lieferantenschuld
HABEN · rechtsZunahme der Lieferantenschuld

Mehr Lieferantenschuld → Haben. Weniger Lieferantenschuld → Soll.

Dein Ziel: Lieferantenschulden, Kundenforderungen und Darlehensschulden unterscheiden. Käufe auf Rechnung je nach erhaltenem Wert buchen. Zahlungen als Abbau der erfassten Schuld erklären. Die Zeitangabe umfasst Erklärung, Beispiele und Selbstchecks. Weiteres Üben im Trainer ist freiwillig.

Nachvollziehen

Drei Fälle. Immer dieselbe Denkfolge.

Welches Konto? Welche Veränderung? Welche Seite? Alle Beträge in CHF; vereinfachte eigene Lernfälle ohne MWST, Rabatte oder Skonti.

01

Büromaterial verbraucht, Rechnung offen

Büromaterial für CHF 600 wird auf Rechnung geliefert und sofort vollständig verbraucht. Beides ist noch nicht gebucht. Zahlungsfrist: 30 Tage. Heute wird nichts überwiesen.

SollkontoVerwaltungsaufwand
an
HabenkontoVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
BetragCHF 600

Verwaltungsaufwand steigt im Soll; die Lieferantenschuld steigt als Passivkonto im Haben. Der Aufwand mindert den Gewinn um CHF 600. Die Firma schuldet dem Lieferanten CHF 600; Bankguthaben bleibt bis zur Zahlung unverändert.

Der Verbrauch erzeugt hier Aufwand. «Auf Rechnung» bedeutet, dass die Zahlung aussteht.

02

CHF 200 gehen an den Lieferanten

Die Firma überweist CHF 200 auf diese Büromaterialrechnung, ohne weiteren Bezug oder Preisnachlass. CHF 400 bleiben offen. Der Verbrauch ist schon als Aufwand erfasst.

SollkontoVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
an
HabenkontoBankguthaben
BetragCHF 200

Die Lieferantenschuld sinkt als Passivkonto im Soll um CHF 200. Bankguthaben sinkt als Aktivkonto im Haben gleich stark. Vermögen, Fremdkapital und Bilanzsumme nehmen ab. Es entsteht kein zweiter Aufwand; der Gewinn bleibt unverändert.

Die Teilzahlung lässt die Schuld schrumpfen; CHF 400 bleiben offen. Derselbe Verbrauch braucht keine zweite Aufwandbuchung.

03

Eine Maschine ist kein Büromaterialverbrauch

Eigenständiger Fall: Eine betriebsbereite Maschine für CHF 8’000 wird auf Rechnung geliefert, mehrjährig genutzt und als Anlagevermögen erfasst. Sie ist noch nicht gebucht. Später wird per Bank bezahlt. Abschreibungen bleiben hier ausgeblendet.

SollkontoMaschinen und Apparate
an
HabenkontoVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
BetragCHF 8'000

Maschinen und Apparate nimmt als Aktivkonto im Soll zu; die Lieferantenschuld steigt als Passivkonto im Haben. Vermögen, Fremdkapital und Bilanzsumme wachsen um CHF 8’000. Dieser Kauf erzeugt zunächst keinen Aufwand. Gewinn und Bankguthaben bleiben unverändert.

SollkontoVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
an
HabenkontoBankguthaben
BetragCHF 8'000

Bei der Zahlung sinkt die Lieferantenschuld im Soll auf null; Bankguthaben sinkt im Haben um CHF 8’000. Die Bilanzsumme nimmt ab. Die Maschine bleibt bestehen. Diese Begleichung erzeugt keinen Aufwand und verändert den Gewinn nicht.

Spätere Zahlung bestimmt das Schuldkonto. Anschaffung oder Verbrauch bestimmt das Gegenkonto.

Visuell erklärtDie Maschine bleibt, die offene Rechnung verschwindetDer Kaufbeleg und der spätere Bankbeleg betreffen zwei verschiedene Zeitpunkte desselben Maschinenkaufs.
  1. Lieferung und RechnungMaschine erstmals aktiviert
    Maschinenwert aus diesem Kauf
    CHF 8’000
    Offene Lieferantenschuld
    CHF 8’000
    Bankguthaben
    Noch unverändert

    Maschinen und Apparate an Verbindlichkeiten · CHF 8’000

    Schritt 1
  2. Spätere BankzahlungDieselbe Rechnung vollständig bezahlt
    Maschinenwert aus diesem Kauf
    CHF 8’000
    Offene Lieferantenschuld
    CHF 0
    Bankguthaben
    − CHF 8’000

    Verbindlichkeiten an Bankguthaben · CHF 8’000

    Schritt 2
Später bezahlen
Die Zahlung begleicht die Schuld

Die Maschine wurde beim Kauf erfasst. Ihre Bezahlung erhöht weder den Maschinenwert ein zweites Mal noch den Aufwand.

Eigenständiger Maschinenfall. Wie im Beispiel bleiben Abschreibungen ausgeblendet; der Bankbetrag ist eine Veränderung.

Selber statt nur mitlesen? Im Buchungssätze-Spiel anwenden →

Gegenprüfen

Diese Abkürzungen führen in die falsche Richtung

Jeden Kauf auf Rechnung als Aufwand behandeln

Prüfe den erhaltenen Wert: Sofort verbrauchtes Büromaterial wird hier Aufwand, die mehrjährig genutzte Maschine wird aktiviert. Das Zahlungsziel entscheidet darüber nicht.

Beim Überweisen nochmals Aufwand buchen

Die Zahlung vermindert die bereits erfasste Schuld und Bankguthaben. Erneuter Aufwand würde denselben Verbrauch doppelt zählen und die Schuld offen lassen.

Darlehen und Lieferantenrechnung zusammenwerfen

Ein aufgenommenes Darlehen ist Finanzierung und gehört auf das passende Darlehenskonto. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zeigen dagegen Lieferantenschulden.

Selbst prüfen

Kannst du es auch ohne Spickzettel?

Wähle jeweils eine Antwort und prüfe die Begründung. Diese drei Fragen sind eine Lernhilfe, keine gespeicherte Prüfung und kein Kompetenznachweis.

Frage 1Büromaterial für CHF 300 wird sofort verbraucht und erstmals auf Rechnung erfasst. Zahlung folgt später. Welcher Buchungssatz passt?
Frage 2Eine mehrjährig genutzte Maschine wird für CHF 5’000 auf Rechnung als Anlage erfasst. Was verändert sich beim Kauf?
Frage 3Die verbleibenden CHF 400 einer korrekt gebuchten Lieferantenrechnung werden per Bank bezahlt. Welche Erklärung stimmt?
Mitnehmen

Verbindlichkeiten: deine Merkkarte

  1. Lieferantenverbindlichkeiten sind offene Schulden aus Lieferungen und Leistungen.
  2. Das Passivkonto nimmt im Haben zu und im Soll ab.
  3. Gegenkonto nach erhaltenem Wert: Verbrauch kann Aufwand sein, Anlagen sind Vermögen.
  4. Zahlung: Verbindlichkeiten an Bankguthaben. Bereits erfasster Aufwand wird nicht wiederholt.
Optional weiterüben

Die Konten warten. Dein Wissen darf mitspielen.

Im Buchungssätze-Spiel leitest du Konten, Soll und Haben aus echten Lernfällen her. Der gemeinsame Trainer bleibt derselbe – einschliesslich deines dort gespeicherten Lernstands.

Buchungssätze-Spiel starten →Eigenständige Übung, ohne Zeitlimit dieser Kurzlektion. Die Lesebestätigung unten ist kein Trainerergebnis.

Diese Bestätigung speichert nur deinen Lesestatus, keine Übungsleistung.

Kontenbasis: Schweizer Kontenrahmen KMU – offizielle Schulversion von SwissAccounting. Kontenbezeichnungen und Unterteilungen können im betrieblichen oder schulischen Kontenplan abweichen. Eigenkapital- und Privatkonto-Beispiele verwenden das jeweils erklärte Einzelunternehmen-Modell, nicht die Kapitalstruktur einer AG oder GmbH.

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