Einfache Geschäftsfälle · selbst herleiten

Verkauf auf Rechnung

Leistung erbracht. Anspruch entstanden. Geld noch nicht eingetroffen.

Du hast geliefert, aber dein Kunde hat noch nicht bezahlt. Das Geschäft besitzt nun einen Zahlungsanspruch statt neuer Banknoten. Genau diese Trennung erklärt, warum Erlös und Liquidität nicht gleichzeitig steigen müssen.

Die Forderung ist echtes Vermögen. Am Geldautomaten überzeugt sie trotzdem niemanden.

Kernweg ca. 9 Minuten · Vertiefung freiwillig

Den Vorgang verstehen ↓
Vermögen ohne GeldeingangDer Anspruch kommt zuerst.
Leistung
Erbracht
Forderung
Entsteht
Geld
Noch nicht erhalten

Aus Sicht des Geschäfts. Zahlen, Konten und Wirkung bleiben getrennt.

Auf dieser Seite
Der Kern

Der Unterschied, auf den es ankommt

Die Voraussetzungen sind wichtig: Waren wurden vollständig geliefert oder die vereinbarte Leistung wurde erbracht. Der Erlös wird erstmals erfasst, der Kunde hat noch nicht bezahlt. Dann besitzt das Geschäft einen Anspruch gegen ihn.

Dieser Anspruch heisst Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, oft Debitoren. Das ist ein Aktivkonto: Die Zunahme steht im Soll. Auf der Habenseite steht der Erlös aus der bereits erbrachten Lieferung oder Leistung.

3200 Handelserlöse – auch Waren- oder Handelswarenertrag genannt – erfasst Warenverkäufe. 3400 Dienstleistungserlöse erfasst etwa eine abgeschlossene Beratung. Das Bankguthaben verändert sich erst bei einer tatsächlichen Zahlung, nicht schon wegen der Rechnung.

Soll und Haben kurz einordnen
AktivkontoSoll: Zunahme · Haben: Abnahme
PassivkontoSoll: Abnahme · Haben: Zunahme
Aufwand / ErtragNeuer Aufwand im Soll · neuer Ertrag im Haben
Privat · EinzelunternehmenBezug im Soll · Einlage im Haben

Soll heisst links, Haben rechts. Es bedeutet nicht pauschal Plus oder Minus. Korrektur- und Abschlussbuchungen können die Gegenseite verwenden. Gleiche Beträge allein machen falsche Konten nicht richtig.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen heissen auch Debitoren; Verbindlichkeiten auch Kreditoren. Handelserlöse werden in manchen Kontenplänen Waren- oder Handelswarenertrag genannt.

Wirtschaftlicher Vorgang → Konten → Buchung

So leitest du die Buchung her

Jedes Beispiel ist unabhängig, sofern eine zeitliche Fortsetzung ausdrücklich genannt wird.

Der Kunde schuldet dem Geschäft CHF 1’400.00

Waren wurden vollständig geliefert. Dafür wird erstmals eine Rechnung über CHF 1’400.00 erfasst. Der Kunde hat noch nichts bezahlt; aus dieser Lieferung sind weder Forderung noch Erlös gebucht.

  1. Die Lieferung begründet in diesem Fall den neuen Erlös. Der Kunde schuldet dem Geschäft den vereinbarten Preis, nicht umgekehrt.
  2. Der Zahlungsanspruch erhöht 1100 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Soll. Der neue Warenverkauf steht als 3200 Handelserlöse im Haben.
  3. Forderungen an Handelserlöse – CHF 1’400.00. Das Geschäft besitzt mehr Ansprüche, aber noch kein zusätzliches Geld. Ohne zugehörige Aufwandsangaben lässt sich kein Gewinnbetrag bestimmen.
Soll · linksForderungen aus Lieferungen und Leistungen1100 · Aktivkonto
an
Haben · rechtsHandelserlöse3200 · Ertrag

Betrag auf beiden SeitenCHF 1’400.00

Forderung an den Kunden
+ CHF 1’400.00
Neuer Handelserlös
CHF 1’400.00
Bankguthaben und Kasse
Unverändert

Eine abgeschlossene Beratung abrechnen

Unabhängiger Fall: Eine vereinbarte Beratung wurde vollständig abgeschlossen und wird erstmals mit CHF 650.00 in Rechnung gestellt. Der Kunde bezahlt später.

  1. Die Leistung ist erbracht, nicht bloss bestellt. Das Geschäft kann den vereinbarten Preis vom Kunden fordern.
  2. Die Forderung nimmt im Soll zu. Weil Beratung eine Dienstleistung ist, werden Dienstleistungserlöse im Haben erfasst.
  3. Kein Bargeld und kein Bankguthaben fliessen heute zu. Trotzdem ist der neue Erlös im gezeigten Fall bereits entstanden.
Soll · linksForderungen aus Lieferungen und Leistungen1100 · Aktivkonto
an
Haben · rechtsDienstleistungserlöse3400 · Ertrag

Betrag auf beiden SeitenCHF 650.00

Forderungen
+ CHF 650.00
Dienstleistungserlöse
+ CHF 650.00
Geldeingang heute
CHF 0.00
Erst entscheiden. Dann die Wirkung sehen.

Deine Rechnungswerkstatt

Eine Rechnung ist kein Bankbeleg

Ware vollständig geliefert, erstmals CHF 1’400.00 fakturiert, noch unbezahlt. Im Journal steht irrtümlich Bankguthaben an Handelserlöse. Repariere die Sollseite.

01 · LeistungWare übergeben

Der vereinbarte Verkauf ist erfolgt.

02 · AnspruchKunde muss bezahlen

Ein werthaltiger Anspruch gehört zum Vermögen.

03 · GeldNoch nicht eingegangen

Bank und Kasse bleiben unverändert.

Mit weniger Hilfe

Jetzt bestimmst du beide Konten

Setze Sollkonto, Habenkonto und Betrag selbst zusammen. Der letzte Fall ist dein Abschlusscheck. Hinweise und Lösungen bleiben erreichbar. Antworten gelten nur in dieser geöffneten Ansicht – keine gespeicherte Prüfung.

Selbst buchenEinen neuen Anspruch erfassen

Ware für CHF 840.00 wurde vollständig geliefert. Die Kundenrechnung wird zum ersten Mal gebucht und ist noch unbezahlt. Es gab keine Vorauszahlung. Setze den Buchungssatz zusammen.

Eine offene Warenrechnung von CHF 1’400.00 wurde fälschlich «Bankguthaben an Handelserlöse» gebucht. Die Ware ist geliefert, der Kunde hat nicht bezahlt. Was würde diese Buchung falsch darstellen?
Selbst buchenDie Leistung wechselt, der Anspruch bleibt

Eine Beratung wurde abgeschlossen. Das Geschäft stellt sie erstmals für CHF 300.00 in Rechnung; bezahlt wurde noch nichts. Buche diesen Vorgang, nicht eine künftige Zahlung.

Abschluss · neuer FallAbschlusscheck: Erlös ohne Bankeingang

Eine Warenpartie wurde vollständig ausgeliefert und wird erstmals für CHF 1’250.00 auf Rechnung verkauft. Die Rechnung ist offen. Der Einstandswert dieser ganzen Partie beträgt CHF 840.00 und wurde im Warenmodell bereits beim Einkauf als Handelswarenaufwand erfasst. Es bleibt kein Bestand dieser Partie übrig. Buche nur den Verkauf.

Nicht nötig für den Kernweg

Wenn du genauer hinschauen möchtest

Viele Erlöse, wenig Geld: kein Widerspruch

Wenn Kunden später bezahlen, kann ein Geschäft bereits Erlöse ausweisen und gleichzeitig wenig Geld auf der Bank haben. Forderungen sind Vermögen, aber noch keine sofort verfügbare Liquidität.

Aus CHF 1’400.00 Erlös allein folgt kein bestimmter Gewinn. Erst die dazugehörigen Aufwendungen erlauben eine Erfolgsrechnung. Nochmals separat zu beurteilen ist, wann die Forderung tatsächlich eingeht.

Die spätere Zahlung ersetzt den Anspruch

Gehen die bereits erfassten CHF 1’400.00 später vollständig auf der Geschäftsbank ein, lautet die Zahlungsbuchung Bankguthaben an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Der Anspruch wird zu Geld; der Erlös bleibt einmal erfasst.

Wer beim Zahlungseingang erneut Handelserlöse bucht, zeigt zu hohen Erlös und eine weiterhin offene Forderung. Für Teilzahlungen und den verbleibenden Anspruch übst du in Kundenzahlungen weiter.

Soll · linksBankguthaben1020 · Aktivkonto
an
Haben · rechtsForderungen aus Lieferungen und Leistungen1100 · Aktivkonto

Betrag auf beiden SeitenCHF 1’400.00

Eine Rechnung allein ist kein universeller Ertragsknopf

Unsere Fälle setzen ausdrücklich eine vollständige Lieferung oder erbrachte Leistung und die erstmalige Erfassung voraus. Eine Rechnung für eine noch nicht erbrachte Leistung kann eine andere Behandlung verlangen. Anzahlungen vor Leistungserbringung gehören nicht in diesen Grundfall.

Für Waren gilt hier durchgehend: Einkauf zunächst auf Handelswarenaufwand, keine zweite Wareneinsatzbuchung beim Verkauf, Berücksichtigung verbleibender Bestände beim Abschluss. Der physische Warenabgang und der gerade erfasste Erlös sind verschiedene Betrachtungsebenen.

Freiwilliger Transfer: acht Vorgänge, eine Buchhaltung

Unabhängiger Mini-Fall: Einzelunternehmen mit Privatkontoverfahren. Anfang: Kasse CHF 1’000.00, Bank CHF 5’000.00, Eigenkapital CHF 6’000.00; übrige Bestände null. Keine MWST, keine Abzüge, keine weiteren Aufwände. Beide Warenpartien werden vollständig weiterverkauft; kein Restbestand. Warenmodell ohne laufende Bestandesnachführung.

Optional nach diesen acht Lektionen. Kein Zeitlimit, kein gespeichertes Prüfungsergebnis.

Kasse
CHF 1’000.00
Geschäftsbank
CHF 5’000.00
Forderungen
CHF 0.00
Verbindlichkeiten
CHF 0.00

Vorgang 1 von 8 · 0 korrekt nachvollzogen

Selbst buchenWaren geliefert, erstmals bar eingekauft

Waren geliefert, erstmals bar eingekauft: CHF 240.00. Die Waren sind zum Weiterverkauf bestimmt; keine Lieferantenrechnung wurde vorher gebucht.

Kasse vor diesem unabhängigen Fall: CHF 1’000.00.

Das bleibt hängen

Verkauf auf Rechnung: deine Merkkarte

  • Erbrachte Leistung plus offene Kundenrechnung: Forderungen im Soll, passender Erlös im Haben.
  • Ein Anspruch ist Vermögen, aber noch kein Bankguthaben.
  • Spätere Zahlung ist kein zweiter Erlös; Erlös allein ist kein Gewinnnachweis.
Optional weiterüben

Die nächste Buchung gehört dir.

Im bestehenden Buchungssätze-Spiel kannst du weiterüben. Dein dort gespeicherter Lernstand bleibt erhalten. Diese Grundlagenlektionen sind ein Fundament, keine vollständige Fachausweisvorbereitung.

Zum Buchungssätze-Spiel →

Diese Bestätigung speichert nur deinen Lesestatus, keine Übungsleistung.