Kontenplan
Die passende Ordnung für genau diese Firma.
Aus dem allgemeinen Kontenrahmen wird eine brauchbare Kontenliste: klar ausgewählt, sinnvoll unterteilt und mit Regeln, die auch die nächste Person versteht.
Mehr Konten sind nicht automatisch mehr Übersicht. Manchmal sind es einfach mehr Möglichkeiten, die Miete falsch zu buchen.- 01VerstehenWas macht die Firma?
- 02AuswählenWelche Konten braucht sie?
- 03DefinierenWelcher Fall gehört wohin?
- 04PrüfenStimmen Details und Total?
SO VIEL DETAIL WIE NÖTIG. SO KLAR WIE MÖGLICH.
Auf dieser Seite
Nach dieser Lektion kannst du …
- einen passenden Kontenplan aus der Tätigkeit eines Unternehmens ableiten
- notwendige Konten auswählen und sinnvolle Unterteilungen begründen
- Kontonummer, Kontobezeichnung und Buchungsregel gemeinsam dokumentieren
- Sachkonten von Kunden- und Lieferantendetails im Nebenbuch unterscheiden
- Sammelkonten mit Einzelposten abstimmen, ohne Beträge doppelt zu buchen
- Änderungen am Kontenplan nachvollziehbar und vergleichbar halten
Ein Beratungsbüro übernimmt sämtliche Konten einer Produktionsfirma. Ist sein Kontenplan dadurch besser?
Zwei Kundinnen, ein kontrollierbares Total
Die fiktive Aare Atelier GmbH hat offene Kundenrechnungen von CHF 1’800 und CHF 2’200.
- 1Das Sachkonto Forderungen aus Lieferungen und Leistungen weist zusammen CHF 4’000 aus.
- 2Die Debitorenübersicht zeigt, welche Kundin CHF 1’800 und welche CHF 2’200 schuldet.
- 3Die erste Kundin bezahlt CHF 1’800 auf die Bank.
- 4Bank nimmt um CHF 1’800 zu; Forderungen nehmen um CHF 1’800 ab.
- 5Im Nebenbuch bleibt nur die zweite Rechnung offen. Ihr Betrag von CHF 2’200 entspricht dem neuen Sammelkontosaldo.
Ein Veloservice erzielt Reparatur- und Verkaufserlöse. Die Leitung möchte beide separat auswerten. Soll jeder einzelne Auftrag ein eigenes Sachkonto erhalten?
Die Firma bestimmt den Bedarf
Ein Beratungsbüro, ein Veloservice und eine Produktionsfirma haben nicht genau dieselben Geschäftsfälle.
Der Kontenrahmen bietet eine allgemeine Ordnung. Der Kontenplan macht daraus die konkrete Kontenstruktur eines Unternehmens. Er legt fest, welche Sachkonten verwendet werden, wie sie heissen, wie sie zusammengefasst werden und welche Vorgänge auf ihnen erfasst werden.
Er ist mehr als eine Liste von Nummern: Er verbindet die Tätigkeit der Firma mit einer einheitlichen Kontierung und verständlichen Auswertungen.
- 01 · RAHMENAllgemeine Ordnung
Klassen, Gruppen und typische Konten bieten die Ausgangsstruktur.
- 02 · UNTERNEHMENKonkreter Bedarf
Geschäftsmodell, Rechtsform und gewünschte Auswertungen bestimmen die Auswahl.
- 03 · PLANVerbindliche Anwendung
Die Firma dokumentiert ihre Konten und verwendet sie für vergleichbare Fälle gleich.
Ein kleiner Betrieb braucht nicht möglichst viele Konten, sondern ausreichend klare Konten. Eine Vorlage ohne eigene Produktion ist kein Grund, künstliche Produktionsbestände zu führen. Ein vollständig bargeldloser Betrieb benötigt nicht automatisch ein aktives Kassenkonto.
Ein Veloservice bekommt seinen Plan
Der fiktive Aare Veloservice repariert Velos und verkauft Zubehör. Kundinnen bezahlen sofort oder erhalten eine Rechnung.
Die Leitung möchte Reparaturleistungen und Zubehörverkäufe getrennt sehen. Sie mietet die Werkstatt, kauft Handelswaren ein und begleicht Lieferantenrechnungen über die Bank. Daraus lassen sich passende Konten ableiten.
| Wirtschaftlicher Bedarf | Beispielkonto im KMU-Rahmen | Funktion |
|---|---|---|
| Guthaben auf dem Geschäftskonto | 1020 Bankguthaben | Aktivkonto |
| Noch offene Kundenrechnungen | 1100 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | Aktivkonto |
| Noch offene Lieferantenrechnungen | 2000 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | Passivkonto |
| Verkauf von Zubehör | 3200 Handelserlöse | Ertragskonto |
| Erbrachte Reparaturleistungen | 3400 Dienstleistungserlöse | Ertragskonto |
| Aufwand für gehandelte Waren | 4200 Handelswarenaufwand | Aufwandskonto |
| Laufende Werkstattmiete | 6000 Raumaufwand | Aufwandskonto |
Zwei wiederkehrende Erlösarten
Reparaturen und Zubehör separat auszuwerten beantwortet eine konkrete Frage der Leitung. Deshalb sind klar getrennte Erlöskonten hilfreich.
Ein Sachkonto pro Auftrag
Rechnung, Artikel oder Kundin sind Detailinformationen. Sie verlangen nicht automatisch ein neues Sachkonto. Auftrags- und Kundendetails können in ergänzenden Verzeichnissen bleiben.
Für Filialvergleiche können Kostenstellen oder andere Auswertungsmerkmale geeigneter sein als viele neue Sachkonten. Das hängt von Software und Informationsbedarf ab. Entscheidend ist, dass eine benötigte Information zuverlässig erfasst und ausgewertet werden kann.
Jedes Konto braucht einen klaren Auftrag
Nummer, Name und fachliche Verwendung gehören zusammen.
Andere Tätigkeit, andere Auswahl.
Alle drei Beispielfirmen haben ein Bankkonto und stellen auch Rechnungen. Wähle die Tätigkeit und die Zahlungsweise.
Veloservice + Verkauf: ausgewählte passende Konten
Die Firma repariert Velos und verkauft Zubehör. Die beiden Erlösarten sollen separat ausgewertet werden.
- 1020BankguthabenDas Geschäftskonto wird in allen drei Beispielen benötigt
- 1100Forderungen aus Lieferungen und LeistungenAlle drei Firmen stellen auch Kundenrechnungen
- 3200HandelserlöseVerkauf der eingekauften Handelswaren
- 4200HandelswarenaufwandAufwand für die gehandelten Waren
- 3400DienstleistungserlöseEntgelt für die erbrachten Leistungen
Ohne Bargeldbestand und Bargeldvorgänge wird hier kein aktives Kassenkonto benötigt.
Ein Lern-Ausschnitt, kein vollständiger Kontenplan: Weitere Aktiven, Passiven, Aufwands- und Steuerkonten müssen separat geprüft werden.
3400 · Dienstleistungserlöse
- Kontoart
- Ertragskonto
- Verwendung im Veloservice
- Erbrachte Reparaturleistungen, die nach den betrieblichen Erfassungsregeln als Erlös zu buchen sind.
- Abgrenzung
- Reine Zubehörverkäufe werden unter Handelserlöse erfasst. Enthält eine Rechnung beides, wird die Erlösaufteilung nachvollziehbar vorgenommen.
- Auswertung
- Betrieblicher Ertrag aus Lieferungen und Leistungen; getrennte Darstellung der Reparaturerlöse.
Unternehmensspezifische Unterkonten und zusätzliche Stellen sind möglich. Ihre Bezeichnungen und Zuordnung müssen dokumentiert sein. Eine intern ergänzte Nummer ist nicht automatisch ein schweizweit standardisiertes Konto.
Eine freie Nummer ist Platz in einer Liste – keine fachliche Begründung.
Wenn eine mehrjährig genutzte Maschine die Voraussetzungen für eine Aktivierung erfüllt, gehört sie auf ein passendes Anlagekonto. Ein zufällig freies Raumaufwandskonto wird durch den Kauf nicht zu einem Anlagenkonto. Und auch im eigenen Plan entscheidet weiterhin Kontoart plus Veränderung über Soll und Haben: Ertragszunahmen und Erlösminderungen laufen nicht in dieselbe Richtung.
Ein Total. Zwei offene Rechnungen.
Das Hauptbuch zeigt die wirtschaftliche Art und den Gesamtbetrag. Ein Nebenbuch erklärt die passenden Einzelposten.
Die Aare Atelier GmbH hat zwei offene Kundenrechnungen: Kundin A schuldet CHF 1’800 und Kundin B CHF 2’200. Im Debitoren-Nebenbuch beziehungsweise in der Offene-Posten-Verwaltung sind beide Rechnungen einzeln nachvollziehbar.
- Kundin ACHF 1’800
- Kundin BCHF 2’200
Welche Kundin schuldet wie viel?
1100 Forderungen
CHF 4’000Wie hoch ist der Gesamtbestand?
Die CHF 4’000 werden nicht zu CHF 8’000. Einzelposten und Sammelkonto beschreiben dieselben Ansprüche aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bei integrierter Software werden Belege und Zahlungen zusammenhängend in Haupt- und Nebenbuch verarbeitet; eine zusätzliche unabhängige Erfassung würde Beträge verdoppeln.
Kundin A bezahlt CHF 1’800 auf die Bank.
- Hauptbuch: 1020 Bankguthaben an 1100 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, CHF 1’800. Bank steigt, Forderungen sinken.
- Nebenbuch: Die Zahlung wird der offenen Rechnung von Kundin A zugeordnet. Dieser Posten ist ausgeglichen.
- Kontrolle: Nur die Rechnung von Kundin B über CHF 2’200 bleibt offen. Das passt zum neuen Forderungssaldo.
Die Zahlung erzeugt keinen zweiten Dienstleistungserlös, wenn dieser bereits mit der ursprünglichen Rechnung erfasst wurde.
Auf der Lieferantenseite funktioniert die Unterscheidung entsprechend: Das Kreditoren-Nebenbuch erklärt die einzelnen Lieferantenschulden, das passende Sachkonto zeigt ihr Total. Die technische Organisation unterscheidet sich je nach Software; wichtig bleibt die nachvollziehbare Verbindung zwischen Einzelposten und Gesamtbetrag.
Eine gute Ordnung lässt sich prüfen
Abstimmen heisst: gleiche Inhalte zum gleichen Zeitpunkt vergleichen und Unterschiede erklären.
CHF 5’000 im Hauptbuch, CHF 4’700 in den Kundendetails
Die Differenz beträgt CHF 300. Darf sie einfach als Ertrag gebucht werden, damit die Zahlen übereinstimmen?
Prüfschritte anzeigen
- Gleicher Stichtag, gleiche Währung und gleicher sachlicher Umfang?
- Sind alle Belege, Zahlungen und Schnittstellenübertragungen vollständig verarbeitet?
- Gibt es eine direkte Sammelkontobuchung ohne passenden Kundenposten oder eine falsche Zahlungszuordnung?
- Ursache mit den Belegen klären und danach nachvollziehbar korrigieren.
Eine unbegründete Ausgleichsbuchung würde die Ursache verdecken. Die zwei ungleichen Werte werden auch nicht addiert.
Typische Fälle durchspielen
Teste etwa Verkauf auf Rechnung, Kundenzahlung, Lieferantenrechnung und Anlagenkauf. Sind passende Konten vorhanden? Stimmt die Zuordnung zu Bilanz und Erfolgsrechnung?
Vergleichbarkeit behalten
Wenn Erlöse ab Januar feiner aufgeteilt werden, dokumentiere Zeitpunkt und Zuordnung von alten zu neuen Konten. Sonst vergleicht dieselbe Auswertungszeile möglicherweise unterschiedliche Inhalte.
Ein bisher verwendetes Konto wird nicht durch das Löschen seiner Geschichte «aufgeräumt». Alte Buchungen bleiben nachvollziehbar; ein nicht mehr benötigtes Konto kann je nach Software für neue Buchungen gesperrt werden. Nummern sollten nicht stillschweigend für einen völlig anderen Kontoinhalt wiederverwendet werden.
Deine Plan-Werkstatt
Überlege zuerst selbst. Öffne danach den Hinweis und prüfe die Lösung.
Fall A: Neu im Kundenstamm
Der Veloservice gewinnt eine neue Kundin. Muss sofort ein neues Sachkonto eröffnet werden?
Hinweis
Hat sich die wirtschaftliche Art der Forderung verändert – oder nur die Person, die bezahlt?
Lösung
Ein neuer Kundendatensatz im Nebenbuch kann genügen. Die Forderung bleibt eine Forderung aus Lieferungen und Leistungen. Personendetails verlangen nicht automatisch ein neues Sachkonto oder gar eine neue Kontenklasse.
Fall B: Werkstatteinrichtung auf Rechnung
Eine Einrichtung für CHF 6’000 wird mehrjährig genutzt und soll im vereinfachten Fall aktiviert werden. Die Lieferantenrechnung ist noch unbezahlt. Was muss der Plan ermöglichen?
Hinweis
Unterscheide Investition, Lieferantenschuld und spätere Zahlung. Im Kaufzeitpunkt fliesst noch kein Geld.
Lösung
Ein passendes Anlagekonto nimmt im Soll zu; Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen nehmen im Haben um CHF 6’000 zu. Die konkrete Anlagenbezeichnung folgt dem eingerichteten Plan. Bei der späteren Zahlung sinken Verbindlichkeiten im Soll und Bankguthaben im Haben. Raumaufwand und Dienstleistungserlöse passen hier nicht.
Fall C: Mehr Detail bei den Erlösen
Die Leitung möchte künftig Reparaturleistungen nach zwei wiederkehrenden Leistungsarten auswerten. Was ist vor der Einführung neuer Unterkonten zu klären?
Lösung prüfen
Die gewünschte Aussage, klare Abgrenzungsregeln, die technische Abbildung und die Zusammenfassung zur bisherigen Erlösposition. Danach typische Rechnungen testen, zuständige Personen informieren und den Umstellungszeitpunkt dokumentieren. Zusätzliche Konten sind nur nützlich, wenn sie zuverlässig verwendet werden.
KONTEN // STUDIO
Acht Entscheidungen für einen brauchbaren Unternehmensplan. Wähle Konten, trenne Detail von Total und prüfe Änderungen.
KONTEN // STUDIO
Richte einen passenden Kontenplan ein und prüfe, ob Kontenauswahl, Kundendetails und Auswertungen zusammenpassen.

- 01Fall lesen
- 02Entscheiden
- 03Herleitung prüfen
8 Fälle · ein Punkt pro richtiger Entscheidung · ohne Zeitdruck
Nach einem Neuladen beginnt eine neue Runde. Abgeschlossene Ergebnisse bleiben im Lernstand gespeichert.Vier Denkfehler aus der Praxis
Eine übersichtliche Liste allein garantiert noch keine saubere Buchhaltung.
Detail braucht einen Zweck.
Unbenutzte Konten und unklare Unterteilungen erhöhen die Auswahlfehler. Orientiere dich an tatsächlichen Vorgängen und benötigten Informationen.
Person ist nicht Kontoart.
Ein Nebenbuch kann individuelle Forderungen zeigen, ohne den Sachkontenplan für jede neue Person zu erweitern.
Zwei Ansichten, ein Bestand.
Einzelposten und Sammelkonto werden abgestimmt, nicht als zwei zusätzliche Vermögenswerte zusammengezählt.
Die Vergangenheit bleibt relevant.
Eine Planänderung braucht nachvollziehbare Zuordnung und Dokumentation. Historische Inhalte dürfen nicht unbemerkt ihre Bedeutung wechseln.
30 Fragen zum eigenen Kontenplan
Begründe Kontenauswahl, Kontierungsregeln und die Verbindung von Hauptbuch und Nebenbuch.
Quiz wird vorbereitet …
Die drei Runden und dein lokaler Fortschritt werden geladen.
Eine Ordnung, die im Alltag trägt
Du kennst jetzt den Weg von einer allgemeinen Vorlage zu einem konkreten Arbeitsinstrument.
- Der Kontenrahmen ist die Vorlage; der Kontenplan ist ihre passende Ausgestaltung für eine Firma.
- Konten folgen Tätigkeit, Rechtsform und Informationsbedarf. Mehr Konten sind nicht automatisch besser.
- Nummer, Name, Kontierungsregel und Abschlusszuordnung schaffen eine gemeinsame Anwendung.
- Hauptbuch und Nebenbuch zeigen Total und Einzelposten derselben Beträge. Nicht doppelt zählen.
- Abstimmen verlangt gleichen Zeitstand und Umfang. Differenzen werden erklärt, nicht versteckt.
- Änderungen bleiben dokumentiert und mit früheren Auswertungen vergleichbar.