Mehrwertsteuer

Funktionsweise der Mehrwertsteuer

Wer trägt die MWST, wer rechnet sie ab – und warum wird derselbe Rucksack nicht bei jeder Firma nochmals endgültig besteuert?

So gelangen CHF 16.20 zum Bund
Hersteller
CHF 8.10 an die ESTV
Geschäft
CHF 16.20 − CHF 8.10 = CHF 8.10 an die ESTV
Privater Endpreis
Enthält insgesamt CHF 16.20 MWST

Die Firmen führen Teilbeträge ab. Der Kunde trägt im Modell die Steuer des Endpreises.

In dieser Lektion
Lernziele

Nach dieser Lektion kannst du …

  • Netto, Steuer und Brutto auseinanderhalten.
  • Endverbraucher und abrechnende Unternehmen unterscheiden.
  • Die Steuerkette mit Vorsteuerabzug nachvollziehen.

Ein Preis, drei gut unterscheidbare Teile

Mara kauft einen Rucksack für ihre Freizeit. Auf dem Beleg stehen CHF 200 für den Rucksack und CHF 16.20 Mehrwertsteuer, kurz MWST. An der Kasse bezahlt sie zusammen CHF 216.20.

Der Preis ohne Steuer heisst netto: CHF 200. Der Preis mit Steuer heisst brutto: CHF 216.20. Die CHF 16.20 dazwischen sind die Steuer, also eine gesetzlich geregelte Geldleistung an den Staat. Kein zweiter Rucksack. Auch kein besonders ehrgeiziges Trinkgeld.

Im Fall gilt der Normalsatz von 8,1 %. Das bedeutet CHF 8.10 Steuer je CHF 100 Nettopreis. Bei CHF 200 sind es zweimal CHF 8.10: zusammen CHF 16.20.

Die MWST soll den nicht unternehmerischen Endverbrauch im Inland belasten. Einfach gesagt: Mara nutzt den Rucksack privat, statt ihn als Unternehmen weiterzugeben. Sie ist in dieser Verkaufskette die Endkundin.

Zwei Firmen, aber keine doppelte Endbelastung

Der Rucksack war vorher schon einmal auf einer Rechnung: Das Geschäft kaufte ihn beim Hersteller für CHF 100 netto plus CHF 8.10 MWST. Beide Firmen sind im Modell steuerpflichtig und müssen mit der ESTV abrechnen.

Die MWST auf dem eigenen Verkauf nennen wir Umsatzsteuer. Die MWST auf einem Einkauf heisst Vorsteuer. Derselbe Beleg hat also zwei Blickrichtungen: Verkauf beim Hersteller, Einkauf beim Geschäft.

Beide Firmen rechnen nach der effektiven Methode ab: Verkaufssteuer minus gesetzlich zulässige Vorsteuer. Im Fall darf das Geschäft seine CHF 8.10 Einkaufssteuer vollständig abziehen. Beim Hersteller nehmen wir keine weitere Vorsteuer an.

Eine Steuerzeile aus zwei Perspektiven
VorgangSteuer auf dem eigenen VerkaufAbziehbare EinkaufssteuerAn die ESTV
Hersteller verkauft an GeschäftCHF 8.10CHF 0CHF 8.10
Geschäft verkauft an MaraCHF 16.20CHF 8.10CHF 8.10

Das Geschäft verrechnet CHF 16.20 − CHF 8.10 und führt CHF 8.10 ab. So bleibt die Steuer des vorherigen Einkaufs nicht nochmals als endgültige Belastung hängen. Zwei Firmen, aber keine doppelte Schlussrechnung für Mara.

Der lange Name hat eine einfache Aufgabe

Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug bedeutet: Das System erfasst mehrere Unternehmensstufen; jede rechnet unter den gesetzlichen Voraussetzungen ihre Steuer abzüglich Vorsteuer ab. Der Name führt einen kleinen Umzug auf. Die Rechnung braucht nur zwei saubere Spalten.

Zusammen erhält die ESTV CHF 8.10 vom Hersteller und CHF 8.10 vom Geschäft: genau CHF 16.20. Das ist die Steuer in Maras Endpreis.

Nicht jede Firma hat in jedem Fall vollen Vorsteuerabzug. Und nicht jeder Geldzufluss ist ein Verkauf, auf dem MWST geschuldet ist. Unsere Annahmen sind deshalb Teil der Lösung, kein Kleingedrucktes für später.

Das Wichtigste

Zusammenfassung

  • Netto + MWST = brutto.
  • Im Modell trägt Mara als private Endkundin die Steuer über den Preis.
  • Die Unternehmen rechnen Umsatzsteuer minus zulässige Vorsteuer ab.
  • Die gesamte Modellbelastung beträgt CHF 16.20, nicht CHF 24.30.
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Übungen

Antworte zuerst selbst. Hinweise und vollständige Lösungen öffnest du bewusst.

Aufgabe 1Grundlagen
Eigener Übungsfall

Wer macht was?

Ordne die Rollen im beschriebenen Rucksackfall zu.

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Antwortbereich
Aufgabe 2Grundlagen
Eigener Übungsfall

Der Betrag im Endpreis

Ein steuerbarer Verkauf zum Normalsatz kostet CHF 300 netto. Wie viel MWST kommt hinzu?

Deine Übungen werden vorbereitet …

Antwortbereich
CHF
Aufgabe 3Grundlagen
Eigener Übungsfall

Ein gefährlich überzeugender Zwilling

Warum darf man im Rucksackfall CHF 8.10 und CHF 16.20 nicht als endgültige Gesamtbelastung addieren?

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Aufgabe 4Grundlagen
Eigener Übungsfall

Erkläre es ohne Steuernebel

Erkläre in drei Sätzen, warum zwei Firmen in der Kette nicht automatisch zweimal dieselbe endgültige Steuerbelastung bedeuten.

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Hinweise und Quellen

Eigenständige Vertiefung im normalen Lernbereich. Den zusammenhängenden Unterrichtsblock findest du im Fachausweisbereich. Rechtsstand und Annahmen stehen bei den Quellen und Fällen. Lernmaterial zu Schweizer Recht, keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

MWSTG · Art. 1, 25, 28 und 36 · gelesene Fassung 31.03.2025 · Stand 20.10.2026

Eigene Lernfälle zu Schweizer Recht, keine individuellen Steuerempfehlungen. Geldbeträge sind ausdrücklich vereinfachte Lehrbeispiele.